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Ritalin ist kein harmloses Medikament. Es fällt wie andere Psychopharmaka unter das Betäubungsmittelgesetz. Der Arzt benötigt von der Ärztekammer eine Drogenverschreibungszulassung wie für Opiate.
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Amphetamine, und dazu gehört Ritalin, werden als suchterzeugend beschrieben. Angeblich wegen der geringen Dosierung werden Kinder nicht biochemisch abhängig, was sonst oft bei Rauschgiften üblich ist. Es kann jedoch eine psychische Abhängigkeit entstehen. Die Kinder merken, dass sie nur mit Ritalin als normal akzeptiert werden. Sie lernen Medikamente langfristig zu nehmen, um sich besser zu fühlen. Sie werden passiv und reduzieren ihre eigene Anstrengung, Probleme ohne Medikamente selbständig zu lösen. Das Selbstbild leidet erneut.
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Das Gehirn ist sehr komplex aufgebaut. Viele Aufgabenbereiche sind noch unerforscht oder mit anderen Hirnregionen vernetzt. Die Neurotransmitterproduktion ist vom limbischen System (Gefühle, Motivation) abhängig und nicht geeignet, einzelne bestimmte Regionen gezielt zu versorgen. Die unterschiedlichen Neurotransmitterstoffe haben vielfältige Beziehungen untereinander, so dass kaum eine Substanz für Veränderungen verantwortlich sein kann. Jeder Erklärungsversuch erscheint als reine Spekulation (vgl. Snyder,S., 1990). Ritalin kann nicht gezielt in nur einem Hirngebiet eingesetzt werden. Auch deshalb können viele Nebenwirkungen auftreten.
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Es ist nicht bewiesen, dass unruhige Kinder ein Defizit an aktiven Neurotransmitter haben. Mit SPECT-Verfahren wurde unter Ritalingabe auch keine bessere Durchblutung des Frontalhirns festgestellt, eher eine Normalisierung in den sensomotorischen Hirnregionen und in den Basalganglien (statt vorheriger Überbeanspruchung wegen der übersteigerten Bewegungsaktivität). Das EEG zeigte unter Ritalingabe nur eine unvollständige Angleichung der Kurvenverläufe. Daher wird vermutet, dass die Orte der Medikamentenwirkung und der Funktionsstörung nicht identisch ist. Es ist keine Herstellung normaler Verhältnisse im vorher anscheinend gestörten Bereich möglich. Wahrscheinlich werden eher qualitativ neuartige Kompensationsmechanismen im Gehirn genutzt. (vgl. Marcus,A./Rothenberger,A: 1993)
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Es ist noch wenig über die neurologischen Wirkungsmechanismen (wie, wo, warum) der Psychopharmaka am Menschen bekannt. Die Studien berufen sich meist auf Untersuchungen mit Ratten. Zufällig werden beim Menschen gewünschte Effekte entdeckt und individuelle Verhaltensreaktionen beschrieben. Die Begründungen sind immer noch meist Vermutungen oder spekulative Thesen.
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Ritalin ist nicht, wie oft behauptet, mit der Insulingabe bei Diabetes vergleichbar. Bei Diabetes kann der Körper kein Insulin selbst herstellen, deshalb muss es ihm von außen zugeführt werden. Ritalin wird niemals im Körper selbst hergestellt. Es wird auch nicht für den Aufbau von Neurotransmittern benötigt, im Gegensatz zu bestimmten Aminosäuren.
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Ritalin nimmt dem Körper die Möglichkeit, eine eventuelle Hirnreifeverzögerung selbst zu beheben. Es verhindert das Erlernen von Eigenkontrolle, Strukturierung und Selbststeuerung, da das Medikament diese erwünschten Fähigkeiten sofort vortäuschend herstellt. Sie sind jedoch nicht gelernt und abgespeichert. Sie können nur ohne Ritalin, aber eben langsam Schritt für Schritt, gelernt werden. Im Gegenteil, Ritalin übernimmt die Kontrolle und baut eventuell bisherige Selbstkontrolle ab.
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Es besteht keine Langzeitwirkung. Wird Ritalin wieder abgesetzt, erlebt man den gleichen Zustand wie bei Beginn der Medikamentenbehandlung (vgl. Döpfner, M. et al.1997).
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Ritalin bringt die Störung auf der Verhaltensebene zum Verschwinden, neurobiologisch bleibt sie weiter bestehen (vgl. Rothenberger, A.1988). Ritalin bekämpft die Symptome, aber nicht die Ursachen.
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Es ist keine Verbesserung der Wahrnehmungsprobleme, der Lern- und Verhaltensstörung, der schulischen Leistung und Denkfähigkeit nachweisbar. Durch Ritalin lernt das Kind nichts dazu (vgl. Döpfner, M. et al.1997). Arbeitstechniken und Sozialverhalten müssen trotz Ritalingabe zusätzlich gelernt werden.
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Die Leistungsmenge und das Tempo steigen, nicht die Qualität der Leistung. Der erzieherische Einfluß sinkt. Die Verbesserung einzelner Leistungsbereiche kann mit Verschlechterungen anderer psychischer Teilbereiche einhergehen (vgl. Roth,N et al.1992).
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Die Langzeitfolgen sind immer noch nicht untersucht.
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Durch Ritalin kann das Selbstkontrollverhalten, die Eigenstrukturierung und Kreativität der Kinder eingeschränkt werden. Auch Anstrengungs- und Verantwortungsbereitschaft werden reduziert, weil das Medikament für das kindliche Verhalten verantwortlich wird.
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Das Selbstwertgefühl wird vermindert, da das Kind sich ohne Ritalin unvollkommen fühlt. Erfolge und Fortschritte werden dem Ritalin zugeschrieben und nicht sich selbst.
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Ritalin kann auch Schlafstörungen bewirken. Dadurch wird besonders die REM-Phase des Schlafes beeinträchtigt, in der erlebte Ereignisse des Tages verarbeitet und abgespeichert werden müssen. Eine stabile Entwicklung benötigt jedoch diese Verarbeitungsphase während der Nacht.
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Wenn die medikamentöse Wirkung nach einigen Stunden nachlässt, kann sich zunächst das Verhalten der Kinder verschlimmern (Rebound-Effekt). Sie erscheinen noch aufgedrehter als vorher. Nach einigen Tagen oder längererer Einnahme können Entzugserscheinungen als Depressionen, Angst und Reizbarkeit, Schlafprobleme, Müdigkeit und Erregtheit auftreten (vgl. DSM III-R).
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Durch Ritalin wird die Signalwirkung der grundlegenden Defizite zugedeckt. Für kurze Zeit sind die Symptome beseitigt. Die Kinder werden unauffällig, ertragbar und tatsächliche Problemfelder vergessen. Tatsächliche Entwicklungsförderung oder konsequente Veränderungen erscheinen nicht mehr notwendig. Familiäre oder schulische Brennpunkte werden nicht mehr aufgelöst.
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Die Erlebniswelt mit und ohne Medikament verändert sich jedesmal schlagartig und nicht nachvollziehbar. Unsichere Kinder werden durch die unterschiedlich wahrgenommenen und schnell wechselnden Wirklichkeiten noch mehr verunsichert.
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Die sekundäre Selbstüberschätzung kann zur erhöhten Unfallgefahr führen.
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Vermutlich können Kinder unter Ritalin aufgenommene Gedächtnisinhalte nur unter Ritalin optimal wieder verwenden.
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Behandlungs"erfolge" mit Ritalin schwanken allgemein von 30%-70%. Nur einige dieser ADHS - Kinder sprechen mit deutlichen Verbesserungen auf Ritalin an. Trotzdem sind diese Verbesserungen noch um mindestens10-20% von der Norm entfernt. Ein Teil der Kinder reagieren mit besserer Konzentration, aber dafür instabilem Verhalten. Einige (bis zu 30%) zeigen sogar eine verschlechterte Konzentration.
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Bei 40% der beobachteten Kindern wurde auch eine Besserung beschrieben, wenn sie anstelle von Ritalin Medikamente ohne Wirkstoff (Placebo-effekt) erhielten (vgl. Elbert/Rockstroh 1990).
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Ist es notwendig, daß 6 Millionen amerikanische Schüler (durchschnittlich 10-15%) nur mit regelmäßiger Psychopharmakaeinnahme leben und lernen können? Welche Gesellschaft kann, will oder muß sich das leisten?
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Der Verbrauch an Ritalin hat sich in Deutschland in den letzten sechs Jahren verzehnfacht. Warum ist Deutschland mit diesen Zahlen einsamer Spitzenreiter in Europa?
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Der Gewinn des Herstellers stieg in den letzten Jahren um mehr als 700%. Wieviel Einfluß haben wirtschaftliche Interessen auf unsere Gesellschaft und deren "Krankheiten"?
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Unter Drogenabhängigen oder Straffälligen ist anscheinend ein höherer Anteil unbehandelter Hyperaktiver. Daraus wird manchmal abgeleitet, daß die auffälligen Kinder Ritalin nehmen müssen, um nicht drogensüchtig oder kriminell zu werden.
Wenn diese Schlußfolgerung stimmen würde, und jetzt schon viele Kinder mit den Medikamenten behandelt wurden, müsste die Anzahl der Drogenabhängigen in den letzten Jahren gesunken sein - was sie aber nicht ist.
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Es ist einfacher, Ritalin zu verschreiben. Medikamentöse Behandlung ist billiger, müheloser und wirkt anscheinend schneller als fundierte, aber langfristige und mühsame Therapie.
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Die Kinder, die Ritalin erhalten, werden immer jünger, obwohl man noch viel zu wenig über negative Auswirkungen von Psychopharmaka auf das kindliche Gehirn und den Einfluß auf die Entwicklungsprozesse weiß. Die Anzahl der Zwei- bis Vierjährigen, die regelmäßig Ritalin erhalten, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. 1995 standen in Amerika schon über 150 000 Kleinkinder unter psychoaktiven Medikamenten, obwohl selbst der Hersteller von Ritalin ein Mindestalter von 6 Jahren verlangt.
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Manchmal wird Ritalin von Erwachsenen missbraucht, um Kinder leichter lenken und sie bequem an unliebsame Situationen anpassen zu können. Störenden Kinder droht der erneute Einsatz des Medikaments. "...Gelegentlich ermuntere ich die Eltern, das Kind mit der Drohung der erneuten Medizineinnahme unter Druck zu setzen." (Eichlseder 1987)
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Am 21.3.2000 starb plötzlich ein 14jähriger Schüler, der regelmäßig Ritalin erhielt, in Oakland, Staat Michigan, USA. Als Todesursache beschreibt der Gerichtsmediziner das Herz des Jungen, das wie ein geschädigtes Herz von einem 30jährigen Kokainsüchtigen aussieht, der an einer Überdosis starb (vgl. ARTE 27.9.00).
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